Pflege geht uns alle an

25.01.2018

Nachdem der Bundestagsabgeordnete Dirk Wiese im letzten Jahr durch den Austausch mit Ulrich Mönke, stellvertretender Schriftführer vom Verein Pflege in Bewegung e.V., bereits ein Praktikum im Krankenhaus absolviert hat, löste er am 23.01.2018 sein zweites Versprechen ein und stellte sich einer Diskussionsrunde mit Pflegekräften aus der Praxis. Die Veranstaltung mit dem Titel „Pflege geht uns alle an“ wurde von 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmern besucht, die dem Bundestagsabgeordneten ihre Erfahrungen aus der Praxis mitteilten, während Dirk Wiese hingegen nicht nur ein offenes Ohr für die Erfahrungsberichte hatte, sondern auch Rede und Antwort stand.

In den gut zwei Stunden wurde deutlich, woran es seit Jahren zunehmend mangelt.

Es fehlt sowohl in der Kinder- und Krankenpflege als auch im Bereich der stationären und ambulanten Altenpflege an ausreichend Zeit und Personal für eine würdevolle, aktivierende Pflege, Betreuung. Auch die Praxisanleitung vom Pflegenachwuchs kommt definitiv zu kurz. Die anwesenden Auszubildenden beklagten, dass sie in den praktischen Einsätzen unter immer größerem Leistungsdruck stehen und zunehmend mit den an sie gestellten Ansprüchen überfordert seien. Dies zeigt sich vor allem dadurch, dass sie überwiegend als Arbeitskraft eingeplant werden und ihnen auch zunehmend Tätigkeiten zugemutet werden, die weit über ihren Wissensstand hinausgehen. Viele befürchten, dass ein „Nein“ letztlich Auswirkungen auf ihre Noten hat oder anderweitig Konsequenzen nach sich zieht, so dass sie täglich in einem enormen Spannungsfeld zwischen Anspruch, Wissen und Gewissen stehen. Dies nimmt ihnen die mitgebrachte Freude, Motivation und Zuversicht auf eine lange Berufsausübung schon sehr früh.

Deutlich wurde auch, dass die Ökonomisierung des Gesundheitswesens ein grundlegendes Problem ist. Auch die Tarifsteigerungen müssten sich in den Budgets der Kostenträger widerspiegeln.
Die Erfahrungsberichte wurden von den anwesenden Pflegefachkräften, einem ver.di-Vertreter und auch vom anwesenden Vizepräsidenten des Fördervereins der Pflegekammer Niedersachsen Felix Berkemeyer bestätigt.

Zum Ende der Veranstaltung sagte Dirk Wiese zu, dass er die Ergebnisse dieser Veranstaltung mit nach Berlin nimmt und in absehbarer Zeit seinen Dialog zur Pflege fortsetzen werde. Beim nächsten Termin will er dann von den Ergebnissen der Koalitionsverhandlungen berichten.

Zum Abschluss der Diskussionsrunde übergab Roger Konrad, der Vorsitzende vom Verein „Pflege in Bewegung e.V.“, dem Bundestagsabgeordneten noch den aktuellen Brandbrief, in dem eine sofortige Anhebung der Personalstellen um zehn Prozent und ein gesetzlicher Fachkraftmindestlohn eingefordert werden, was in zwei Jahren evaluiert und mit einer Umwandlung des bisherigen Solidaritätszuschlages in eine zeitlich befristete Demografieabgabe refinanziert werden soll.

Darüber hinaus wurde ihm auch das Strategie-Papier für eine „Zukunftspflege“ in Deutschland ausgehändigt, das einen ganzheitlichen Ansatz für eine wirkliche und nachhaltige Pflegereform beinhaltet. Mehr Infos dazu gibt es im Internet unter www.pflegeinbewegung.de.