„Es lebe die deutsche Republik! Es lebe die Demokratie“

16.11.2018

Mit diesen Worten beendete Bundespräsident Frank-Walter Steinmeiner am vergangenen Freitag seine Rede im Deutschen Bundestag im Rahmen der Gedenkstunde an die Ausrufung der Republik durch Philipp Scheidemann (SPD) am 9. November 1918. Die Briloner SPD hat das Jubiläum der Weimarer Republik zum Anlassen genommen um im Museum Haus Hövener über Auswirkungen und Parallelen der Weimarer Republik auf die heutige politische Zeit zu diskutieren. Der heimische Bundestagsabgeordnete Dirk Wiese machte in seiner Begrüßung deutlich, dass historisch nicht die Demokratie gescheitert ist, sondern historisch ihre Feinde gescheitert sind. Aber er erinnerte auch an die Worte des großen deutsches Historikers Heinrich August Winkler, wonach „die Katastrophe von 1933 weder ein Betriebsunfall der deutschen Geschichte noch deren zwangläufiges Resultat war. Sie war vielmehr bis zuletzt vermeidbar.“

Prof. Dr. Karsten Rudolph (MdL und Historiker an der Ruhruniversität in Bochum) knüpfte hieran an und machte deutlich, dass die Zeiten nicht vergleichbar sind, aber Parallelen erkennbar sind und wir wieder mehr denn je für unsere Demokratie eintreten müssen. Denn der neue Nationalismus beschwört eine heile alte Welt, die es so nie gegeben hat. „Zwar haben wir heute eine viel wachsamere Zivilgesellschaft, aber entscheidend sind die Mehrheiten im Parlament. Dies zeigen gerade die antidemokratischen Tendenzen in der heutigen Zeit in Polen und Ungarn.“, so Rudolph. Dabei stand der 9. November 1918 in einer deokratischen Tradition mit der Revolution von 1848 und der deutschen Freiheitsbewegung auf dem Hambacher Fest 1832. Wer allerdings heute Menschenrechte und Demokratie verächtlich macht, wer alten nationalistischen Hass wieder anfacht, der hat kein historisches Recht auf die Farben der Freiheitsbewegung, auf schwarz-rot-gold.

Dr. Christoph Thüer setzte bei der Wirtschaftskrise der damaligen Zeit an und machte deutlich wie schnell auch damals in Brilon die Demokratie zugunsten der Nationalsozialisten gekippt ist. Heiner Duppelfeld (Leiter des Heimatmuseums der Stadt Marsberg) lenkte die Diskussion auch darauf, wie wichtig es ist, dass die Demokratie gefestigt ist. In den alten Bundesländern haben wir dies seit über 70 Jahren, in den neuen Bundesländern erst seit gut 30 Jahren. Diese Unterschiede muss man ernst nehmen.

In der anschließenden Diskussion mit dem Publikum wurde insbesondere deutlich, wie wichtig es ist, dass die heutige Politik sich um die Belange der Bürgerinnen und Bürger kümmert. Dass das soziale Netz wieder enger werden muss und eine aktive Friedenspolitik wieder wichtiger denn je wird. Dirk Wiese schloss mit den Worten: „Dass Bonn nicht Weimar wurde und Berlin nicht Weimar wird, verdanken wir auch der Tatsache, dass es Weimar gegeben hat. Hier sind wir alle gefordert jeden Tag für unsere Demokratie aktiv einzutreten.“